Bilder des Naturdenkmals Hexenküche im Möttinger Ortsteil Lierheim


Hexenküche

 


Eingang Höhle Hexenküche

 


Eingang Höhle Hexenküche von innen

 


Höhle Hexenküche von oben

 

Textliche Beschreibung Naturdenkmal Hexenküche und Ortsteil Lierheim

Aus der Erdgeschichte

Die Berge und Höhen, die das Dorf umgeben, sind ein Teil des aufgeschobenen und aufgeworfenen Randes des bei der Rieskatastophe vor 15 Millionen Jahren zunächst entstandenen Primärkraters. Überall im Ort und in der Flur finden sich Zeugnisse der gewaltigen Kräfte die von dem Meteoriteneinschlag freigesetzt wurden und des danach entstandenen Ries-Sees. Besonders bei Bauarbeiten stößt man in kürzesten Abständen auf die unterschiedlichsten Boden- und Gesteinsarten. In der Sandgrube wurde Jahrhunderte lang der Sand für Bauarbeiten abgebaut. Nur wenige hundert Meter davon entfernt stößt man mitten im Dorf auf Lehm-Kalk-Gemenge, das plötzlich von zertrümmertem Granit abgelöst wird, der ansonsten nur in mehreren hundert Meter Tiefe zu finden ist. An anderer Stelle findet sich unter einer dünnen Lößschicht sogleich Lehm in den unterschiedlichsten Farben und an den Berg- und Hügelhängen sammeln die Bauern schon seit der Urbarmachung des Landes die lose umher liegenden Kalksteine von ihren Äckern auf. Dieses Kalkgestein bildete sich vor rund 150 Millionen Jahren aus den Schlammmassen des Jurameeres. Zeugnisse dieser Zeit fand man auf dem Stein- und dem Hahnenberg in Form von Versteinerungen der fossilen Fledermaus, Knochenbreccien aus Überresten von verschiedenen Kleintieren und Vögeln sowie von Knochen und Schädeln von Pelikanen, die an den Ufern des Jurameeres lebten. Der witterungsbeständige Kalkstein, der sich auf den Höhen um das Dorf befindet, wurde als Bruchstein für den Hausbau mühevoll abgebaut und auch zum Wegebau verwendet.

1969 wurde beim Straßenbau in Lierheim auf einer Länge von 60 Meter die so genannte „Bunte Breccie'' sichtbar, die Wissenschaftler aus dem ganzen süddeutschen Raum anlockte. Die Bunte Breccie ist die Hauptauswurfmasse des beim Meteoriteneinschlag entstandenen Ries-Kraters und erstreckt sich bis in eine max. Entfernung von fast 45 km vom Kraterzentrum über den Kraterrand hinaus. Sie weist eine wechselnde Mächtigkeit von wenigen Metern bis zu 200 m auf. Die Brecciendecke ist im westlichen und nördlichen Bereich durch Erosion fast völlig abgetragen. Die Bunte Breccie besteht aus einem chaotischen Gemenge von Gesteinstrümmern, die regellos und ungeschichtet zu einer wenig verfestigten Masse vermischt wurden. Die Gesteinsbruchstücke bestehen aus Kalken, Tonen, Sandsteinen, Mergeln und wenigen kristallinen Gesteinen (Gneis, Granit), die vor dem Einschlag in einer mindestens 800 bis 1000 m mächtigen Schichtfolge von Kristallin, Trias, Jura und Tertiär übereinander gelagert waren. 

Aus vorgeschichtlicher Zeit 

In grauer Vorzeit fand der vorgeschichtliche Mensch im Ries günstigere Lebensbedingungen vor als in den umliegenden Gebieten. Dem altsteinzeitlichen Jäger und Sammler boten sich in der fruchtbaren Riesebene aufgrund der klimatischen Bedingungen hervorragende Jagd- und Nahrungsmöglichkeiten, die ihn veranlassten, immer wieder durch den Landstrich zu streifen und sich hier länger aufzuhalten. Später, als die Menschen begannen sesshaft zu werden und sich von Ackerbau und Viehzucht zu ernähren, war das Ries wegen seiner fruchtbaren Böden wieder bevorzugter Siedlungsraum. Zahlreiche Bergkuppen des Riesrandes sowie die Hügel und Berge, welche sich in der Riesebene erheben, stellen Kulturstätten aus jener Zeit dar. Viele davon waren in vorgeschichtlicher Zeit befestigt oder doch zumindest zu Wohnzwecken aufgesucht worden. Einige dieser Erhebungen liegen in unserer Ortsflur und tragen noch heute die Spuren der Menschen, welche sie vor Jahrtausenden bewohnt haben. 

Die Lierheimer Hexenküche (von Werner Paa, Oettingen) 

Östlich von Lierheim fällt der „Kaufertsberg" gegen Süden zum Talgrund der Eger hin ab und bildet dabei ein überhängendes Felsschutzdach (Abri). Ein enger Gang führt von dort in den Berg hinein zu einer nach oben offenen Höhle, die im Volksmund als „Hexenküche" bezeichnet wird. Da dort immer wieder Tonscherben sowie tierische und auch menschliche Skelettreste gefunden wurden, wurde 1913 dieser Platz durch die Vorgeschichtler Birkner und Frickhinger ausgegraben. 

Dabei stießen sie zwar auf vorgeschichtliche Funde, die erhofften Funde der Altsteinzeit (70 000 bis 8000 v. Chr.) blieben in der Höhle indes aus. Jedoch vor dem Höhleneingang und unter dem daneben liegenden Abri konnten die Ausgräber zwei Kulturschichten beobachten. Die obere, also die jüngere Fundschicht, enthielt zahlreiche Geräte aus Hornstein und die Knochen eines Rentieres. Unter den Steingeräten waren vor allem kleine Kratzer und Stichel sowie sehr feine Spitzen und Messerchen. Ihre Formen datieren die Funde an das Ende der Altsteinzeit vor etwa 10.000 Jahren.

Darunter folgte eine weitere 40 bis 50 cm mächtige gelbe Fundschicht. Die in ihr enthaltenen Steinwerkzeuge waren merklich größer und umfassten Klingenkratzer, Stichel, Bohrer und Rückenmesserchen. Dazu kamen mehrere Bruchstücke von Geschossspitzen aus Rengeweih, ein Elfenbeinstäbchen, das Fragment eines Stabes aus Rengeweih und den Resten einer eingeschnittenen, nicht deutbaren bildlichen Darstellung sowie eine Serie von durchbohrten Fuchszähnen, durchlochten Anhängern aus Gagat und eine im Wirbel durchbohrte Muschelschale. Die Tierknochen zeigen, dass damals das Rentier und das Wildpferd gejagt wurden. Die Funde beweisen, dass der Abri bereits vor 15.000 bis 20.000 Jahren von Menschen als Wohnplatz aufgesucht wurde.  

Am östlichen Ende der Schicht lag in einer etwa 30 cm tiefen Grube der Schädel eines Mannes mit dem zugehörigen Unterkiefer und den beiden ersten Halswirbeln. In der unmittelbaren Nähe wurde auch eine rötliche Verfärbung beobachtet. Diese Kopfbestattung muss, wenn sie mit den Werkzeugfunden gleichzeitig ist, an den Übergang von der Altsteinzeit zur nachfolgenden Mittelsteinzeit (8000 bis 4500 v. Chr.) datiert werden. Damit wäre dieser Schädel ebenso alt wie die berühmten Schädelbestattungen aus der großen Offnet. 

Damit nimmt auch der Fund aus der Hexenküche von Lierheim eine bedeutende Stellung für die Rieser Siedlungsgeschichte ein. 

Den ältesten Abschnitt der Menschheitsgeschichte, die Altsteinzeit (Paldolithikum), begleitete auf der ganzen Welt das Phänomen des Eiszeitalters, des Pleistozäns. Große Teile Mittel- und Nordeuropas waren im Rhythmus der Klimaschwankungen mehrfach von Eis überdeckt, und der Mensch war gezwungen, sich in Lebensweise und Lebensraum an die harten äußeren Bedingungen anzupassen. Auf der Suche nach jagdbaren Tieren (Nashorn, Mammut, Wildpferd, später Ren und Hirsch) und essbaren Pflanzen war er auf die Begehung des schmalen Korridors zwischen dem nordischen Inlandeis und den alpinen Gletscherzungen des Alpenvorlandes angewiesen. Hier bot die Natur in zahlreichen Höhlen und überhängenden Felsdecken des Kalkgebirges der Schwäbisch-Fränkischen Alb günstige Unterkünfte und Schutzbauten an, die von kleinen Gruppen vor allem seit der mittleren Altsteinzeit, immer wieder aufgesucht wurden. Kein Wunder, dass die altstein-zeitlichen Fundplätze innerhalb Süddeutschlands in den höhlendurchsetzten Gegenden sehr häufig sind. 

Unsere altsteinzeitlichen Vorfahren waren aber keineswegs nur Höhlenmenschen. Das eigentliche Leben spielte sich, wenn es die Witterung zuließ, auf geschützten und von der Sonne erwärmten Plätzen vor den Höhlen ab. In der Vergangenheit mehren sich auch die Hinweise auf so genannte Freilandstationen, die immer wieder von den Jägern und Sammlern der Altsteinzeit aufgesucht wurden. 

Weitere prähistorische Bodendenkmäler 

Die zahlreichen Funde auf dem Spitzen- oder Steinberg lassen sich nicht alle eindeutig zeitlich zuordnen. Einige tragen Spuren, welche auf die Jungsteinzeit hindeuten, andere reichen von der frühen Hallstattzeit (ca. 1200 v. Chr.) über die Römerzeit und das Mittelalter bis zum 30-jährigen-Krieg.

Auf dem Bergplateau wurde 1913 ein rechteckiges Pfostenhaus mit Vorhalle und Herdstelle gefunden. Das Haus befand sich wohl in einem durch eine Mauer gesicherten Bezirk. Die Funktion dieses Baues ist nicht ganz klar. Möglicherweise diente es als eine Art Herrenhaus.

Bei Bauarbeiten in seinem etwas höher liegenden Garten stieß 1913 der Besitzer des Anwesens Nr. 17 in Lierheim auf verschiedene vorgeschichtliche Fundstücke. Bei den sofort eingeleiteten Grabungen trat der Grundriss einer in den Boden gegrabenen Wohnstätte in Form eines Ovals der späten Hallstattzeit zu Tage. Deutlich waren Pfostenlöcher, Abfallgrube und Herdgrube zu erkennen. Bei in späteren Jahren in der Nähe dieser Wohnstätte durchgeführten Erdarbeiten stieß man immer wieder auf zum Teil schon zerstörte Reste weiterer Gebäude dieser Zeit, was den Schluss zulässt, dass hier eine größere Siedlung bestand. 

Das Gipfel-Plateau des westlich vom Dorf gelegenen Hahnenberges umzog einst ein Ringwall, der vermutlich aus einer verstützten Holz-Steinmauer bestand. Der vorgelegte Graben ist zum Teil nur noch als Geländestufe erhalten. Funde aus dem inneren Ring des Walls deuten eine mögliche Besiedelung bereits in der Jungsteinzeit an. Mit Sicherheit befand sich dann hier eine Siedlung der Hallstatt- und Latenezeit. 

Die Römerzeit 

Nachdem unter dem römischen Kaiser Augustus bereits im Jahre 15 vor Chr. die Grenze des römischen Reiches über die Alpen bis hin zur Donau vorgeschoben wurde, drangen unter Kaiser Domitian 83 n. Chr. die römischen Truppen über die Donau nach Norden vor. So wurde auch das Ries besetzt, in dessen Namen sich die römische Provinzbezeichnung „Rätien" erhielt. Um 120 n. Chr. befestigten die Römer diese vorgeschobene Grenze mit ca. 1000 Wachtürmen und rund 100 hinter der Grenze liegenden Kastellen sowie dem knapp 550 km langen Limes.

Kurz nach der militärischen Besetzung erfolgte die Erschließung und Besiedelung des Landes, dessen Fruchtbarkeit natürlich sofort erkannt wurde. Trotz der nur etwa 150-jährigen römischen Herrschaft war der kulturelle Einfluss der Römer ungeheuer groß und seine Auswirkungen sind bis heute erhalten. Aus manchem Lager oder Kastell entstanden unsere heutigen Ortschaften und Städte; ihre Namen leiten sich zum Teil noch von ihrer römischen Bezeichnung ab. Im Mittelalter wurden fast ausschließlich die alten Römerstraßen benutzt und die Trassenführung der angelegten Straßen bildet die Grundlage mancher Wege und Straßen bis in die heutige Zeit (Oettingen-Heroldingen, Möttingen-Nördlingen).

Das eroberte Land wurde an Siedler und Veteranen verteilt, die dort eine ganze Reihe an römischen Gutshöfen, auch „villa rustica" genannt, errichteten. Von dieser Bezeichnung leitet sich das heutige „Weiler" ab und deutet bei derartigen Flurnamen oder Ortsbezeichnungen den Standort einer ehemaligen römischen Siedlung an. Diese landwirtschaftlichen Betriebe produzierten für den Eigenbedarf, zur Versorgung der römischen Kastell- und Limestruppen und der Bevölkerung, mit der ein reger Handel herrschte. Die romanisierten Bewohner der Grenzgebiete, zu denen man auch das Ries zählen muss, brachten es durch diesen friedlichen Handel unter dem Schutz der römischen Truppen zu einem gewissen Wohlstand, mit dem es nach dem Auftauchen der Alemannen um 260 n. Chr. wieder schnell vorbei war. 

Die meisten römischen Gutshöfe wurden von Familienverbänden bewirtschaftet. Ihre Betriebsgröße schwankte je nach Wohlstand und Repräsentationswillen des Besitzers von eindrucksvollen Landgütern bis zu bescheidenen kleinbäuerlichen Anwesen und waren in der Regel ähnlich aufgebaut. So war zum Schutz der Anlage üblicherweise eine Umfassungsmauer vorhanden. Neben den Wohngebäuden waren verschiedene Wirtschaftsgebäude wie Getreidespeicher, Stallungen, Dreschplätze sowie kleinere Werkstätten zur Reparatur landwirtschaftlicher Geräte oder Herstellung handwerklicher Produkte wie Textilien, Töpfer- oder Lederwaren vorhanden. Der Wasserverbrauch römischer Gutshöfe war allem Anschein nach relativ hoch, insbesondere dann, wenn zur Anlage ein Badekomplex gehörte. Deswegen findet man meist auch Brunnen- oder Quelleinfassungen vor. 

Am NO-Fuß des Hahnenberges befinden sich die „Weilenäcker". Dort entdeckte man 1913 römische Säulen, die, wie es sich bei den anschließenden Grabungen herausstellte, zu einem Hypokaust, der Heizanlage einer römischen Villa rustica gehörten. Neben der Heizungsanlage wurden noch eine Reihe von Mauern und Mauerresten des Gutshofes gefunden. In trockenen Sommern macht dort ein unterschiedlicher Pflanzenwuchs „Vegetationsmarken" sichtbar, das heißt, man kann deutlich erkennen, wo Gebäudereste im Boden den Pflanzenwuchs hemmen, weil sich dort der Bewuchs durch Farbe bzw. Höhe von seiner Umgebung unterscheidet. Dadurch werden die einstigen Gebäude erkennbar und man kann sich ein deutliches Bild über die Ausdehnungen der Anlage machen. Vor der Flurbereinigung verliefen die „Weilenäcker" größtenteils von West nach Ost und bildeten ein Rechteck von 3 bis 4 ha, während rundum alle übrigen Feldstücke von Nord nach Süd verliefen. Die römischen Gebäudereste befinden sich alle innerhalb dieses Rechteckes, wobei die erkennbare Umfassungsmauer an der Grenze der „ Weilenäcker" entlang verläuft. Dies lässt den Schluss zu, dass der Hof, soweit nicht bereits beim Alemannensturm zerstört, noch längere Zeit Bestand hatte, dann jedoch zerfiel und anschließend als Baumaterial-Lieferant für die umliegenden Dörfer genutzt wurde. Völlig abgetragen und in Äcker aufgeteilt wurde er offensichtlich erst, nachdem das übrige Land schon alles verteilt und die Felder angelegt waren. An der Nordumfassung der „Weilenäcker" befand sich die Badeanlage, auch grenzt dort der „Pfaffenbrunnen" an. Nach Lage des Bades und der Bezeichnung der Äcker ist zu schließen, dass sich dort einst ein Brunnen oder eine Quelle befand, woraus das Römerbad gespeist wurde. In der Nähe befindet sich noch eine intakte Drainage, die auf Grund der Bauweise vermutlich aus römischer Zeit stammt.