Folgenden Artikel bzw. Interview entnehmen wir der Zeitschrift heimat energie Nr. 2/2014:

 

Zukunftsenergie für Enkingen

Dieses Frühjahr ist Spatenstich für die Erdgasleitung von Grosselfingen nach Enkingen, einem Ortsteil Möttingens. Ab Sommer werden 33 Häuser und die Rieser Eierteigwarenfabrik das klimaschonende Erdgas beziehen.

Möttingens Bürgermeister Erwin Seiler im Gespräch mit heimatenergie:

Ihr persönliches Engagement trug maßgeblich zur künftigen Erdgasversorgung Enkingens bei. Warum setzen Sie für Ihre Gemeinde auf Erdgas?

„Seit 1986 wird der Ort Möttingen mit Erdgas versorgt. Im vor drei Jahren erschlossenen Neubaugebiet mit 30 Parzellen wurden fast alle Häuser an das Erdgasnetz angeschlossen. Der Ortsteil Balgheim gehört seit knapp zehn Jahren zur Erdgas-Trasse, verlegt im Zuge der Dorferneuerung und der Sanierung der Kreisstraße. Erdgas ist ein sauberer, klimaschonender Energieträger mit einem CO2-Ausstoß, der wesentlich geringer ist als der von Heizöl. Durch den unterirdischen Leitungstransport bleibt das Landschaftsbild erhalten, ein wichtiger Aspekt für Möttingen mitten im Geopark Ries. Eine weitere Option ist Bio-Erdgas als regenerative Energie aus der Natur oder aus biogenen Reststoffen. Speichermöglichkeiten wie Power-to-Gas mit Erdgasleitungen als Reservoir können künftig ganz neue Möglichkeiten der Energieversorgung eröffnen. Aus diesen Gründen sichert die Versorgung mit Erdgas den langfristigen Werterhalt der angeschlossenen Immobilie bei Veräußerung und in Erbschaftsangelegenheiten. Für den Klimaschutz in Möttingen ging es deshalb bereits im Herbst 2012 in die Verlängerung. Der Erdgas-Wegenutzungsvertrag mit erdgas schwaben als regionalem Anbieter wurde bis 2022 erneuert. Die jährliche Einsparung des Klimakillers CO2 durch unser 14 km langes Erdgasnetz liegt bei rund 300 t, das entspricht der jährlichen CO2-Bindung von 24.000 mittelgroßen Laubbäumen.“

Der Wunsch nach Erdgas liegt in Enkingen bei 72 %. Das ist enorm. Wie kam es dazu?

„Im November fand gemeinsam mit erdgas schwaben eine erste Bürgerversammlung in Enkingen statt. Der Ortsteil hat 50 Häuser mit rund 220 Einwohnerinnen und Einwohnern. An diesem Abend sprachen wir mit 30 Interessentinnen und Interessenten. Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen und die Bürgerinnen und Bürger durch Gespräche und Informationen mit neuen Formen der Energieversorgung bekannt zu machen. Im Nachgang erhielten alle Enkinger per Post von erdgas schwaben ausführliche Informationen zu Erdgas. Es folgten erste Rückmeldungen, die zeigten: Hier ist Gesprächsbedarf, wir als Gemeinde haben uns aktiv der Anfragen angenommen. Heute, ein halbes Jahr später, beweist sich, das war der richtige Weg für den Wechsel privater Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer von Öl auf Erdgas. Der Regionalversorger hat sehr schnell und unkompliziert die Erdgasversorgung realisiert: 33 Häuser werden im Sommer angeschlossen, drei weitere Häuser entschieden sich für einen Teilanschluss und lassen sich die Erdgasleitung bis kurz vor die Haustüre legen. Damit halten sie sich die Option für Erdgas als Energieträger offen. Zwei erschlossene, nichtbebaute Bauplätze werden auch mit einem Teilanschluss versehen. Das Enkinger Schützenheim und das Jugend- und Feuerwehrhaus erhalten ebenso einen Anschluss.“

Auch die Rieser Eierteigwarenfabrik stellt auf Erdgas um. Schmecken Ihnen künftig die regionalen Nudeln noch besser?

„Ich muss zugeben, in der Küche ist meine Ehefrau Irma der Profi. Aber unsere ganze Familie isst die Rieser Nudelspezialitäten gerne. Der Anschluss der Rieser Eierteigwaren an Erdgas für die Nudelproduktion war auch ein entscheidender Impuls für die Verlegung der neuen Trasse von Grosselfingen, dem Sitz der Nudelfabrik, in das 500 Meter entfernte Enkingen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gemeinde Möttingen ein Leerrohr entlang der neuen Erdgas-Trasse mitverlegt, um zu einem späteren Zeitpunkt ein Glasfaserkabel für den DSL-Breitbandanschluss für Enkingen einzuziehen. Durch diese Mitverlegung müssen die Straßen nicht nochmals geöffnet werden. Schnelles Internet ist in der ländlichen Region ein wichtiger Standortvorteil.“

Welche weiteren Schritte unternimmt Möttingen für die Energiewende?

„Wir haben zwei Biogas-Anlagen, eine weitere Anlage ist geplant. In Kleinsorheim wurde die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Lampen umgestellt. In Lierheim und Appetshofen beleuchten Energiesparlampen die Straßen. Auf den Dächern des kommunalen Bauhofs und des Feuerwehrhauses, betrieben durch die Freiwillige Feuerwehr in Möttingen, sind Photovoltaik-Anlagen zur Stromeinspeisung ins Netz installiert. Die örtliche Kläranlage hat diesen Januar eine Photovoltaik-Anlage zur Eigenstromnutzung erhalten. Was den Strom angeht, ist Möttingen autark, die Einspeisungsquote liegt bei 110 %: 9,5 Millionen kWh Strom verbraucht die Gemeinde im Jahr. Ins öffentliche Stromnetz werden 10,6 Millionen kWh im Jahr durch Photovoltaik, Wasserkraft, Biogas und Blockheizkraftwerke (BHKW) eingespeist. In Diskussion ist der Neubau eines Bürgerzentrums für die Gemeinde- und Kirchenverwaltung, Vereine, Senioren und das kulturelle Leben. Hier böte sich ein Erdgas-Nahwärmenetz inklusive BHKW an, verbunden mit dem benachbarten Kindergarten samt neuer Kinderkrippe. (Lächelt). Wir haben noch einiges vor!“

 

Erwin Seiler: seit 2008 lenkt der gebürtige Appetshofener die Geschicke Möttingens. Vor sechs Jahren wurde das damalige Gemeinderatsmitglied, der gleichzeitig Dritter Bürgermeister war, im ersten Wahlgang von den Möttingern zum Gemeindeoberhaupt bestimmt. Mit über 97 % der Stimmen folgte die Wiederwahl im März 2014. Bei dieser Wahl ließ er sich auch für den Kreistag Donau-Ries aufstellen und erhielt auf Anhieb einen Sitz. Der gelernte Feinmechanikermeister mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung war lange Jahre in der Industrie tätig, bis ihn seine Leidenschaft für soziale Belange in die Donau-Ries- Werkstätten der Lebenshilfe Nördlingen führte. Erwin Seiler hat ein Gespür für die Menschen und ihre Belange, die funktionierende Gemeinschaft liegt ihm ebenso am Herzen wie die Zukunftsfähigkeit Möttingens.

In seiner Freizeit bläst der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern im Posaunenchor und ist als Tüftler, Uhrenbauer und Oldtimerrestaurator tätig.

 

Möttingen: die im Rieskrater gelegene Gemeinde mit den Ortsteilen Appetshofen, Lierheim, Enkingen, Balgheim und Kleinsorheim zählt rund 2.500 Einwohner und gilt unter jungen Familien als attraktiver Wohnstandort. Die unmittelbare Lage an der teils dreispurigen Nord-Süd-Tangente B25 sorgt für einen günstigen Verkehrsanschluss mit schnellen Wegen. In den letzten zehn Jahren konnte Möttingen sein Arbeitsplatzangebot kräftig steigern und zählt heute rund 130 Gewerbebetriebe mit über 600 Voll- und Teilzeitarbeitsstellen. Das Nördlinger Ries mit dem bedeutendsten Meteoritenkrater Europas und dem Geopark Ries ist ein Besuchermagnet. 55 Vereine stärken das sportliche, kulturelle und soziale Leben in der Gemeinde.