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Abschluss der Dorferneuerung Balgheim II am 09.10.2016

 

Folgenden Bericht entnehmen wir der Wochenzeitung vom 12.10.2016. Verfasser + Bild: Dieter Möhle

 

Balgheim ist fit für die Zukunft und macht „Lust auf’s Land“

 

12.600 Stunden freiwilliges Engagement schaffen Heimatverbundenheit, Identität und Zukunftsfähigkeit

Möttingen-Balgheim (dm). Der Möttinger Ortsteil Balgheim erntete viel Beifall und Lobesworte für die gelungene Dorferneuerung. Die im Januar 2003 beschlossene Maßnahme initiierte die Dorfgemeinschaft noch unter Bürgermeister a. D. Helmut Wiedemann (bis 2008). Sein Nachfolger, Erwin Seiler, empfing im Stadel des kulturhistorisch einzigartigen „Vogelbauer“-Anwesens, dessen Restaurierung und neue Nutzung neben der Umgestaltung des öffentlichen Straßenraums als wesentlicher Teilbereich der Maßnahme gilt, zum Gottesdienst mit anschließendem Festakt.

Aus der Sicht des Ltd. Baudirektors Wilhelm Preißinger (Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben, kurz „ALE“) war die Maßnahme „sehr erfolgreich“ und gleichzeitig „bemerkenswert“. Das „solide Fundament“ der Maßnahme bildeten eine intensive Vorbereitungsphase sowie ein Seminar an der Schule der Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten. Hierbei wurde der „Widerspruch des optischen Eindrucks mit dem sozialen Gefüge“ des Möttinger Ortsteils erkannt: seinerzeit dominierte der Eindruck des Vergangenen. Leerstehende Gebäude und ein schlechter Zustand des Straßenraums passten nicht zu der in Balgheim lebenden „engagierten Dorfbevölkerung“ mit „aktiven Vereinen“, so Preißinger. Das Zusammenwirken von Bürgermeister(n), Gemeinderat, Teilnehmergemeinschaft und dem ALE ermöglichte rückblickend eine sehr positive Veränderung und Intensivierung der Dorfgemeinschaft: „Es ist enorm, was sie alle geleistet haben.“ Neben den optisch sichtbaren Veränderungen kam Bewegung in den Ort: Balgheim bewies einmal mehr seine Fähigkeit, aus eigenem Antrieb Aktivitäten und Ideen zu entwickeln und diese mit Mut und Sachverstand zu realisieren. Es sei ein „vitales Dorf“ entstanden.

Als „Meilensteine“ des komplexen Maßnahmenkatalogs bezeichnete Preißinger die Sanierung des Vogelbauerhofes, die Errichtung des Denkmals Katharinenkirche, die Aufwertung des Feuerwehrplatzes, die dorfgerechte Neugestaltung innerörtlicher Straßenzüge, die neue Brücke über den Forellenbach, die Modernisierung des Jugendtreffs und ökologisch sinnvolle Anpflanzungen. Die Bevölkerung habe mit „Herz, Hand und Verstand“ einen immensen, unentbehrlichen Eigenbeitrag von insgesamt 12.600 Stunden beigetragen, 9.600 Stunden allein für die Sanierung des Vogelbauer-Anwesens.

In die Projekte wurden laut Preißinger rund 1,5 Millionen Euro investiert. Öffentliche Fördergelder der EU, dem Land Bayern und vom Bund in Höhe von rund 900.000 Euro reduzierten den Eigenanteil der Gemeinde auf ca. 600.000 Euro. Auch private Haus- und Grundbesitzer profitierten von Direktförderungen.

Bürgermeister Seiler betonte, dass eine umfassende Dorferneuerung unzureichend wäre, würde man sie nur auf die öffentlichen Bereiche beschränken, da insbesondere private Anwesen, Hofräume und Gebäude das Erscheinungsbild eines Dorfes prägen. Er verwies darauf, dass außerhalb der Dorferneuerung noch viele Maßnahmen von der Gemeinde und Landkreis durchgeführt wurden: dies waren der Kanalbau (1989 bis 2011), der Neubau der Kreisstraße und der Gehwege, die neue Straßenbeleuchtung, der Rückbau der Telekom-Leitungen und die Erneuerung von Feldwegen in Eigenleistung. Zwischen 1989 und 2016 wurden hierfür insgesamt 4 Millionen Euro investiert. Abzüglich der Umlagen und öffentlicher Zuschüsse verbleibe ein Eigenanteil von 1,5 Mio. Euro. Seiler bedankte sich bei allen Beteiligten für das Geleistete und forderte selbstbewussten Zukunftsoptimismus für die hervorragend funktionierende Dorfgemeinschaft.

Dass dieser dringend notwendig ist, beteuerte auch Landrat Stefan Rößle: Er bezeichnete die Investition von 4 Mio. Euro in einem Ortsteil mit nur 600 Einwohnern innerhalb kurzer Zeit als „unüblich“ und „beachtlich“, relativierte die Ausgabenhöhe jedoch mit der Sanierung des für den Landkreis und ganz Nordschwaben bedeutsamen Vogelbauer-Anwesens. Für ihn sei das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert „das Herzstück“ der Dorferneuerung. Besonders positiv beeindruckt zeigte er sich vom hohen ehrenamtlichen, freiwilligen Engagement aller Beteiligten, auch seitens der Jugend. Dies zeuge von einem ganz besonderen Gemeinschaftssinn, der es ermöglicht habe, die Lebens- und Wohnqualität deutlich aufzuwerten. Mit Blick auf die negative demographische Prognose (künftige Alterszusammensetzung der Bevölkerung) im Landkreis erläuterte Rößle, dass Balgheim eine „Herausforderung der Zukunft“ gemeistert habe.“ Ziel des Landkreises mit den Gemeinden sei es, die Attraktivität von Wohnen und Leben auf dem Land zu steigern, damit auch in naher Zukunft für die Wirtschaft genügend Fachkräfte bei uns wohnen und arbeiten. Mit der neu initiierten Initiative „Lust auf’s Land“ verfolge man das Ziel, die Vorzüge der ländlichen Strukturen zu verdeutlichen. Balgheim sei ein Dorf „auf das man Lust hat“. MdB Ulrich Lange betonte in seinem Grußwort auch die Bedeutung des Ortsteils als eines der unverwechselbaren Dörfer im Ries „mit einzigartiger Identität“ als solidarische Basis eines funktionierenden Gemeinwesens. Dieses Wir-Gefühl erzeuge Heimatverbundenheit.

 



(Bild: Dieter Möhle)

Viel Engagement steht hinter der nun abgeschlossenen Balgheimer Dorferneuerungsmaßnahme. Die Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung Balgheim II wurden mit Urkunden ausgezeichnet (v. l. n. r.): Landrat Stefan Rößle, Vorstandsvorsitzender Alexander Mayr (ALE), MdB Ulrich Lange, Stv. Amtsleiter Wilhelm Preißinger (ALE), Bürgermeister Erwin Seiler, Gerhard Strobel, Klaus Falk, Michael Frey, Thomas Berndorfer, Friedrich Frisch, Gerhard Gerstmeyr, Friedrich Klink, Bürgermeister a. D. Helmut Wiedemann, Auf dem Bild fehlen: Simone Schmid, Karl-Heinz Schmidt, Kurt Schröppel

 

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